The power of QA in a translation project

Die Bedeutung der Qualitätssicherung bei Übersetzungsprojekten

Als Projektmanager in der Übersetzungsbranche sind Sie der Ansprechpartner für alle Kundenbelange, auch für Beschwerden. Der Projektmanager ist derjenige, der die Übersetzung liefert. Er kann sich nicht einfach zurücklehnen und davon ausgehen, dass die Datei, die er vom Übersetzer erhält, frei von Fehlern ist. Selbst wenn die Übersetzer die Dokumente vor der Lieferung prüfen, kann es passieren, dass Fehler übersehen werden, und es ist Aufgabe des Projektmanagers sicherzustellen, dass die endgültige Qualität den Anforderungen des Kunden gerecht wird. 
 
Doch wenn der Liefertermin unmittelbar bevorsteht, kann die Versuchung groß sein, die üblichen Verfahren abzukürzen. So wird dann beispielsweise statt einer gründlichen Prüfung lediglich eine oberflächliche Stichprobe vorgenommen, um den Liefertermin einzuhalten. Mit etwas Glück kommen wir manchmal sogar damit durch. Und die Vorgehensweise mag zwar riskant sein, doch eine verspätete Lieferung ist unter Umständen noch schlimmer. In manchen Fällen ist das Risiko aber einfach zu groß, was sich am Beispiel einer Übersetzung über eine sogenannte Brückensprache gut veranschaulichen lässt.

Übersetzung über eine Brückensprache

Bei diesem Ansatz hat jedes Projekt zwei Übersetzungszyklen: Die Übersetzung aus der ersten Phase wird zum Ausgangstext für die zweite Übersetzungsphase. Das hört sich vergleichsweise kompliziert an, ist aber bei einem knappen Budget oft die einzige Lösung. Hier ein Beispiel: Sie brauchen eine Übersetzung vom Kroatischen ins Finnische. Aber selbst, wenn Sie jemanden finden, der diese eher ungewöhnliche Sprachkombination anbietet, müssen Sie mit hohen Übersetzungskosten rechnen. Stattdessen können Sie den kroatischen Ausgangstext erst ins Englische übersetzen lassen und dann vom Englischen ins Finnische. Bei Verwendung von Englisch als Brückensprache könnten die Kosten letztendlich niedriger sein.

In einem solchen Fall kann der Projektmanager es sich nicht leisten, bei der Qualitätssicherung Schritte auszulassen, denn je mehr Zielsprachen es gibt, desto größer ist das Risiko. Wenn bei der ersten Übersetzung – in der Regel die Übersetzung ins Englische – Probleme auftreten, werden diese sich sehr wahrscheinlich auf alle sekundären Zielsprachen auswirken. Stellen Sie sich vor, Sie müssten Fehlübersetzungen in 26 Sprachen korrigieren, ganz zu schweigen von Tag-Fehlern in Sprachen, die Sie nicht einmal verstehen! Es ist also im Interesse aller Beteiligten, dass die Übersetzung aus der ersten Phase eine gründliche Qualitätsprüfung durchläuft.

Das Traumpaar der Qualitätssicherung: Korrekturlesen und Überprüfung

Selbst bei einer langen Datei, die voller Fehler ist, gibt es Möglichkeiten zur Problembehebung. Das Korrekturlesen ist darauf ausgerichtet, Fehlübersetzungen zu korrigieren, reicht aber allein nicht aus, um auch Tag-Fehler zu finden. Bei der Überprüfung hingegen können zwar fehlende oder falsch positionierte Tags und Probleme mit Leerstellen erkannt werden, aber nicht unbedingt Fehlübersetzungen. Entsprechend ist es am sichersten, beides in die Qualitätssicherung einzubinden.

In SDL Trados Studio kann die Standard-Qualitätssicherung und Tag-Prüfung noch durch die Terminologieprüfung ergänzt werden. Zusätzlich können bestimmte Parameter für die Prüfung sowie passende Benachrichtigungsstufen festgelegt werden. Das gründliche Korrekturlesen und die umfassende Überprüfung sorgen dafür, dass so gut wie keine Fehler übersehen werden. Nachfolgend gehe ich auf einige der Funktionen der Studio-Qualitätsprüfung ein, die sehr wichtig sind, aber nicht oft genug erwähnt werden.

Den Ernst der Lage richtig einschätzen: Der Unterschied zwischen Fehlern, Hinweisen und Warnungen

Ganz gleich, ob ein Problem als Hinweis, Warnung oder Fehler angezeigt wird: Der fertige Überprüfungsbericht verschafft uns in der Regel – aber nicht immer – einen guten Einblick in die Art der Probleme. Sie können nicht nur angeben, nach welchen Fehlern Studio suchen soll, sondern auch verschiedene Schweregrade für die Fehler festlegen (Projekteinstellungen > Qualitätsprüfung > Tag-Prüfung > Allgemein). Im Folgenden sehen wir uns einige Beispiele an, bei denen es sich lohnt, zwischen schwerwiegenden Fehlern und potenziellen Problemen in Ihren Dateien zu unterscheiden.

  • Ghost-Tags: Wenn das öffnende oder schließende Tag eines Tag-Paars fehlt, erscheint das fehlende Tag als sogenanntes Ghost-Tag und sieht durchsichtig aus. Bei Verwendung der Standardeinstellungen für die Überprüfung werden lediglich Hinweise zu Ghost-Tags angezeigt. Da fehlende Tags jedoch zu strukturellen Problemen in der zielsprachlichen Datei führen können, müssen sie korrigiert werden. Um sicherzustellen, dass Sie diese fehlenden Tags nicht übersehen, können Sie den Schweregrad „Fehler“ dafür festlegen.
  • Tag-Reihenfolge: Die Satzstruktur unterscheidet sich von Sprache zu Sprache, daher kann es sein, dass die Tag-Reihenfolge im zielsprachlichen Segment nicht der im ausgangssprachlichen Segment entspricht. Standardmäßig werden bei einer veränderten Tag-Reihenfolge Warnungen angezeigt, auch wenn die Anpassung der Reihenfolge gewollt ist. Es könnte also sinnvoll sein, den Schweregrad auf „Hinweis“ zu setzen. Dabei besteht dann allerdings die Gefahr, dass Sie echte Probleme übersehen. Prüfen Sie die Meldungen daher sorgfältig.
  • Leerstellen: Studio prüft auch die Leerstellen um die Tags herum und meldet Unterschiede, selbst wenn diese gerechtfertigt sind oder keine Auswirkungen auf die Struktur der endgültigen Übersetzung haben. Eine Änderung der Leerstellen vor oder nach einem Tag zur Fettformatierung spielt beispielsweise keine Rolle. Standardmäßig lautet der Schweregrad „Hinweis“, und in den meisten Fällen kann er so beibehalten werden. 
  • Formatierungstags: Hier geht es nicht nur um den Schweregrad, sondern darum, ob Studio diese Tags überhaupt prüfen sollte. Standardmäßig werden diese Tags bei der Überprüfung nicht berücksichtigt. Ich würde jedoch empfehlen, sie mit aufzunehmen, um sicherzustellen, dass die Formatierung im zielsprachlichen Dokument auch wirklich der in der Ausgangsdatei entspricht.

Warum nicht Äpfel mit Äpfeln vergleichen? Sprachspezifische Überprüfungseinstellungen

Bei mehrsprachigen Projekten erhalten Sie unter Umständen jede Menge „False Positives“ (Falschmeldungen), wenn Studio alle Sprachen anhand der gleichen Parameter überprüft. Denn das ist praktisch so, als würden Sie Äpfel mit Orangen vergleichen. Bei einer grünen Orange sollte ein rotes Licht bei Ihnen aufleuchten, ein grüner Apfel hingegen ist völlig normal. In Studio 2019 können Sie jetzt je nach Zielsprache verschiedene Überprüfungseinstellungen festlegen. Sie sehen dann eine Warnung, wenn ein blauer Apfel auftaucht, während grüne Äpfel ignoriert werden. Dies kann beispielsweise in der Projektvorlage klar definiert werden, wodurch Sie dann für ähnliche Projekte ein einheitliches Überprüfungsprofil für die jeweilige Zielsprache haben.

Aufforderung zur Überprüfung beim Arbeiten mit Projektpaketen

Wenn Sie Übersetzungsaufträge in Form von Projektpaketen versenden, können Sie festlegen, dass vor der Lieferung eine Überprüfung durchgeführt werden muss. Bei Aktivierung dieser Option ist der Übersetzer zwar gezwungen, eine Überprüfung durchzuführen, das bedeutet jedoch nicht, dass wirklich alle Fehler korrigiert werden. Sie können Übersetzer also mit dieser Option stärker in die Qualitätssicherung einbeziehen, sollten aber unbedingt selbst noch eine abschließende Überprüfung vornehmen.

Überprüfen, korrigieren, wiederholen

Zu guter Letzt noch ein Hinweis zum Überprüfungsprozess. Es ist nicht damit getan, die Überprüfung durchzuführen, die Fehler zu korrigieren und die Datei dann zu schließen. Sie könnten Fehler übersehen haben oder durch Korrigieren eines Fehlers zwei neue verursachen, wenn Sie nicht vorsichtig genug sind – die meisten Softwareentwickler können ein Lied davon singen. Am besten wäre daher ein System nach dem Schema Überprüfung – Korrektur – Überprüfung (und Korrektur usw.), bis keine Fehler mehr gefunden werden. Das heißt nicht, dass das Meldungsfenster leer ist; es kann immer noch verschiedene Warnungen oder Hinweise geben, aber diese wurden geprüft und absichtlich dort belassen (z. B. die oben erwähnten Änderungen der Tag-Reihenfolge).  

Kurzum: Jeder Schritt ist wichtig. Nach der Übersetzung sollte eine Überprüfung erfolgen, dann ein gründliches Korrekturlesen, gefolgt von einer weiteren Überprüfung durch den Projektmanager, der für die abschließende Qualitätssicherung zuständig ist und die Gelegenheit nutzen muss, die Fehler zu finden, die in den vorigen Schritten übersehen wurden. Keine leichte Aufgabe, denn selbst wenn Sie mehrere Sprachen sprechen, wird es immer eine geben, die Sie nicht verstehen. Der Knackpunkt ist: Sie müssen nicht alle Sprachen verstehen. Es geht in erster Linie darum zu erkennen, dass es ein Problem gibt. Das Beheben steht an zweiter Stelle, und Studio unterstützt Sie in beiden Fällen.

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